Drei Länder, drei Sprachen, drei Währungen und eine Route, die vom Kaspischen Meer über den Hauptkamm des Kaukasus bis an den Fuss des Ararat führt. Wir sind sie im April gefahren: von Baku über Şamaxı und Şəki nach Georgien, weiter durch Kachetien nach Tbilisi, hinauf auf die Georgische Heerstrasse und schliesslich über die armenische Grenze nach Haghpat, an den Sewansee und nach Jerewan. Was folgt, ist die Route in der Reihenfolge, in der wir sie gefahren sind — mit dem, was uns unterwegs aufgefallen ist, und mit den Fakten, die wir für die Planung nachgeprüft haben.
Route, Reiseform und drei Währungen
Die Strecke verläuft von Ost nach West: Baku – Şamaxı – Şəki – Grenze bei Lagodekhi – Signagi – Tbilisi – Mzcheta – Georgische Heerstrasse mit Ananuri und Gudauri – Gergeti am Kasbek – zurück über Gori und Uplisziche – Grenze bei Sadachlo – Haghpat – Sewansee – Jerewan – Chor Wirap – Etschmiadsin – Garni – Geghard.
Wer die Route nachfährt, sollte für die Bergetappen auf einen Fahrer setzen, der die Strecke kennt. Die Georgische Heerstrasse ist eng, löchrig und stark von Lastwagen befahren — dazu weiter unten mehr.
Währungen. In Aserbaidschan zahlt man mit dem Manat (AZN, 1 Manat = 100 Qəpik), in Georgien mit dem Lari (GEL), in Armenien mit dem Dram (AMD). Feste Umrechnungskurse nennen wir bewusst nicht; sie ändern sich täglich. Alle Preise und Öffnungszeiten in diesem Artikel haben wir im September 2026 auf den offiziellen Seiten geprüft — vor dem Besuch lohnt ein kurzer Blick, ob sie noch gelten.
Baku: Stadt der Winde zwischen Altstadt und Flame Towers
Baku ist der Ort, an dem Europa und Orient sich treffen — das klingt nach Reiseprospekt, trifft es aber. Neben der Altstadt und ihren Traditionen stehen Glastürme, und der Lebensstil auf den Strassen ist westlich. Und es ist windig. Nicht ein bisschen, sondern so, dass die Jacke geschlossen bleibt. Das aserbaidschanische Tourismusportal nennt Baku ganz offiziell «City of Winds» und unterscheidet zwei Hauptwinde: den warmen Gilavar aus dem Süden und den kühleren Xəzri aus dem Norden. Wer im Frühjahr kommt, packt etwas Winddichtes ein.

Der Rundgang beginnt in der Altstadt Icherisheher, UNESCO-Welterbe. Durch die engen Gassen kommt man am Palast der Schirwanschahs und an der Juma-Moschee vorbei; das Tourismusportal nennt daneben den Jungfrauenturm als zweites Wahrzeichen. Von der Altstadt aus geht es weiter über die Nizami-Strasse, Bakus Einkaufsmeile, und dann hinauf zum Aussichtspunkt bei den Flame Towers. Von dort liegt einem die Stadt samt Bucht zu Füssen.

Zwei Museen lohnen den Umweg. Das Aserbaidschanische Teppichmuseum, dessen geschwungene Fassade selbst Teppichmuster trägt, ist Dienstag bis Freitag 10–19 Uhr und am Wochenende 11–20 Uhr geöffnet; die Kasse schliesst eine Stunde früher, Montag ist Ruhetag. Ausländische Erwachsene zahlen 10 AZN, Schüler und Studierende 3 AZN, die separate Schmucksammlung kostet 3 AZN extra (Stand September 2026).
Das Heydar-Aliyev-Zentrum von Zaha Hadid liegt ein Stück vom Zentrum entfernt und ist schon von aussen ein Erlebnis: kein einziger rechter Winkel, die weisse Hülle fliesst in Wellen über den Platz. Innen gibt es eine Ausstellung zu Heydar Aliyev, ein «Mini Azerbaijan» mit Modellen der wichtigsten Bauwerke des Landes und eine Sammlung klassischer Automobile. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintritt konnten wir auf der offiziellen Seite nicht eindeutig bestätigen — vor dem Besuch nachsehen.

Şamaxı: das Diri-Baba-Mausoleum in der Felswand
Die erste Etappe führt westwärts nach Şamaxı. Kurz vor der Stadt, bei Maraza, liegt das Diri-Baba-Mausoleum — ein Bau aus hellem Stein, der aussieht, als hinge er an der Felswand. Ringsum ist nichts als Fels, Grün und die Höhlen im Gestein. Laut Inschrift entstand das Mausoleum 1402 unter Schirwanschah Ibrahim I.; das staatliche Denkmalportal ordnet es dem mittelalterlichen Sufismus zu. Das Ticketsystem zeigt für September 2026 Einlasszeiten von 9 bis 19 Uhr und Preise zwischen 3 und 15 AZN je nach Ticketkategorie — welche Kategorie für ausländische Gäste gilt, am besten direkt beim Kauf prüfen.

In Şamaxı selbst steht die Juma-Moschee, die Freitagsmoschee. Von aussen ein heller Bau mit mehreren Kuppeln und hohem Minarett in einer Gartenanlage, innen ein grosser Gebetsraum mit arabischer Kalligrafie an der Decke, Kronleuchtern und rotem Gebetsteppich.

Şəki: Khanpalast ohne Nägel und Tee in der Karawanserei
Şəki war eine Station der Seidenstrasse. Zwei Bauwerke erzählen davon. Der Palast der Schaki-Khane verbindet aserbaidschanische, persische und osmanische Formen: Er wurde ohne einen einzigen Nagel gebaut, die Fassade ist mit Fresken bedeckt, und die Şəbəkə-Fenster — hölzerne Gitter mit eingesetztem farbigem Glas — tauchen die Räume in Blau und Violett. Vor dem Palast stehen jahrhundertealte Platanen. Innen darf nicht fotografiert werden; auf dem Gelände zeigt eine Werkstatt, wie die Glasmosaike entstehen, und verkauft fertige Stücke. Das Ticketsystem nennt für 2026 Einlass von 9 bis 19 Uhr und Preise zwischen 1 und 15 AZN je nach Kategorie. Seit 2019 stehen die historische Altstadt von Şəki und der Khanpalast auf der UNESCO-Welterbeliste.

Die Obere Karawanserei ist ein wuchtiger Steinbau aus dem 18. Jahrhundert, in dem Händler übernachteten und ihre Waren in sicheren Lagerräumen abstellten. Ein Teil der ehemaligen Kammern ist heute ein Hotel (Karvansaray Hotel), in dem man in den rohen historischen Gewölben schlafen kann — wir haben dort nicht übernachtet und können zur Qualität nichts sagen. Im Innenhof gibt es eine Teestube nach altem Muster: Sitzflächen mit Teppichen ausgelegt, dazu die lokale Şəki-Halva und andere Süssigkeiten. Kleine Läden am Rand verkaufen Seide, Keramik und Schmuck. Der Zugang zum öffentlichen Bereich ist gratis; verlässliche Öffnungszeiten haben wir nicht gefunden.

Grenzübertritt bei Lagodekhi und Signagi über dem Alazani-Tal
Von Şəki geht es zur georgischen Grenze bei Lagodekhi. Dahinter beginnt Kachetien, Georgiens wichtigste Weinregion. Erster Halt ist Signagi, ein Städtchen auf einem Hügelrücken mit roten Ziegeldächern, geschnitzten Holzbalkonen und einer Stadtmauer, die König Erekle II. 1762 errichten liess. Vom Rand der Altstadt blickt man über das breite Alazani-Tal bis zur schneebedeckten Kette des Grossen Kaukasus — im April lag auf den Gipfeln noch reichlich Schnee. Seit der Renovierung ab 2007 nennt sich Signagi «City of Love»; Souvenirstände säumen die Gassen, die den Hang hinunterführen.

Tbilisi: Seilbahn zur Narikala, Schwefelbäder und der unterirdische Bazar
Tbilisi ist eine Stadt, in der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten fussläufig in der Altstadt beieinanderliegen. Der beste Einstieg ist die Seilbahn vom Rike-Park hinauf zur Festung Narikala und zur Kartlis Deda, der «Mutter Georgiens». Die Fahrt kostet 2,5 GEL pro Richtung (Tarif der Tbilisi Transport Company, Stand September 2026). Oben steht man auf den Mauern der alten Festung und sieht die ganze Stadt: die Kura, die gläserne Friedensbrücke, die Kirchtürme der Altstadt und die Neubauten dahinter. Bei uns regnete es an diesem Tag zwischendurch, was der Aussicht wenig anhatte.

Unten am Fluss steht auf einem Felsvorsprung das Reiterstandbild von König Wachtang Gorgassali, dem Stadtgründer, daneben die Metechi-Kirche. Von hier aus hat man die Altstadt direkt gegenüber. Ein paar Schritte weiter liegt der Meidan Bazar: ein unterirdischer Markt unter dem Gorgassali-Platz, ein Netz aus gemauerten Bogengängen, das einmal Handelsstation an der Seidenstrasse war und heute Souvenirs, Gewürze und Wein verkauft.


Der eigentliche Charakter der Altstadt zeigt sich in den kleinen, alten Kirchen: halbdunkel, Weihrauch in der Luft, ein paar Kerzen. Und in Abanotubani, dem Bäderviertel am Fuss der Narikala. Die Schwefelbäder werden aus natürlichen heissen Quellen gespeist, 37 bis 42 Grad warm, reich an Schwefel, Kalzium und Magnesium. Ein Bad hier ist kein Wellness-Zusatz, sondern seit Jahrhunderten Teil des Alltags. Preise unterscheiden sich von Bad zu Bad und nach Raumkategorie — eine einheitliche Zahl für das Viertel gibt es nicht. Auffälligstes Gebäude ist das Chreli Abano mit seiner blau-türkisen Kachelfassade.

Auf dem Weg durch die Altstadt kommt man am Rezo-Gabriadze-Marionettentheater vorbei, dessen schiefer Uhrturm zwischen den Fassaden hervorragt, und über die Friedensbrücke mit ihrem gläsernen Dach zurück zum Rike-Park.
Mzcheta: Swetizchoweli-Kathedrale und der Blick vom Dschwari-Kloster
Rund 20 Kilometer nördlich von Tbilisi liegt Mzcheta am Zusammenfluss von Aragwi und Kura. Fast tausend Jahre lang, bis ins 6. Jahrhundert, war die Stadt Hauptstadt des Königreichs Iberien; seit 1994 stehen ihre Denkmäler auf der UNESCO-Liste. Die Swetizchoweli-Kathedrale ist das spirituelle Zentrum der Georgisch-Orthodoxen Kirche. Sie steht innerhalb einer Wehrmauer mit Türmen aus dem 18. Jahrhundert; innen ist sie karg und steinern, mit Fresken aus dem 15. und 17. Jahrhundert und dem steinernen Thron des Patriarchen. Hier wurden die Könige der Bagratiden gekrönt und begraben, unter ihnen Wachtang Gorgassali und Erekle II.

Der Eintritt ist frei, die Kleiderordnung streng: lange Hosen für Männer, bedeckte Schultern, Rock und Kopftuch für Frauen. Tücher und Wickelröcke liegen in der Regel am Eingang zum Ausleihen bereit.
Auf dem Hügel gegenüber steht das Dschwari-Kloster aus dem späten 6. und frühen 7. Jahrhundert. Der Name bedeutet «Kloster des Kreuzes»: Hier soll die heilige Nino im 4. Jahrhundert ein hölzernes Kreuz aufgestellt haben, das die heidnischen Altäre ersetzte; im Innern ist noch der Sockel des ursprünglichen Kreuzes zu sehen. Baulich ist Dschwari ein Tetrakonchos — vier Apsiden auf Kreuzgrundriss — und wurde zum Vorbild vieler späterer Kirchen im Kaukasus. Der Eintritt ist frei, angemessene Kleidung wird erwartet. Und der Blick von der Terrasse hinunter auf Mzcheta und den Zusammenfluss der beiden Flüsse ist der Grund, weshalb fast jeder hier hält.

Georgische Heerstrasse: Ananuri, Lastwagen im Tunnel und Schnee bei Gudauri
Von Mzcheta führt die Georgische Heerstrasse nach Norden — 208 Kilometer von Tbilisi bis Wladikawkas in Russland, quer durch den Hohen Kaukasus. Sie gehört zu den schönsten Panoramastrecken der Region und war einst eine Militärstrasse. Erster Halt ist die Festung Ananuri aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, direkt über dem türkisfarbenen Zhinvali-Stausee. Der Zugang ist gratis; unterhalb der Mauern liegt ein Aussichtspunkt auf den See, und im Sommer stehen am Fuss der Festung Stände mit Souvenirs, Handwerk und Tschurtschchela.

Hinter Ananuri wird die Fahrt zur Sache. Die Strasse ist schmal und löchrig, es gibt eine Reihe enger Tunnel, in denen man sich mit Lastwagen kreuzt — die Strecke wird auch vom Schwerverkehr Richtung Russland benutzt, entsprechend kann es zu Stau kommen. Wir würden die Strecke nicht ohne jemanden fahren, der sie kennt. Die Strasse steigt auf über 2000 Meter; Gudauri liegt auf rund 2196 Metern, der Jvari-Pass auf etwa 2379 Metern. Bei uns lag im April oben noch geschlossener Schnee, und beim Aussteigen am Freundschaftsdenkmal bei Gudauri — einem Bau mit grossem farbigem Mosaik — war es empfindlich kalt. Warme Kleidung gehört auch im Frühling ins Gepäck.


Gergeti: die Dreifaltigkeitskirche auf 2170 Metern unter dem Kasbek
Das Ziel der Heerstrasse ist für die meisten die Dreifaltigkeitskirche von Gergeti (Zminda Sameba) oberhalb von Stepanzminda. Die Kirche aus dem 14. Jahrhundert steht auf rund 2170 Metern auf einem Bergrücken, dahinter der Kasbek. Hinauf führt eine asphaltierte Strasse — Einheimische fahren Besucher mit Geländewagen hoch — oder ein Wanderweg. Oben ist es kalt, windig und rutschig, im April lag Schnee auf den Hängen ringsum. Bei klarem Wetter steht der Kasbek direkt hinter der Kirche; das offizielle Tourismusportal führt Gergeti als Ausgangspunkt für Touren ins Kasbek-Massiv.

Innen ist die Kirche schlicht: rohe Steinwände, ein geschnitztes Holzkreuz, Kerzen. Von aussen zählt der Blick hinunter ins Tal auf Stepanzminda und die Hänge des Grossen Kaukasus.

Gori: das Stalin-Museum mit Geburtshaus und Salonwagen
Auf dem Rückweg von der Heerstrasse liegt Gori, bekannt als Geburtsort von Josef Stalin — und das prägt den Tourismus der Stadt bis heute. Das Stalin-Museum an der Stalin Avenue 32 besteht aus drei Teilen: dem monumentalen Museumsbau im Stil des sozialistischen Realismus mit Exponaten zu Leben und Epoche Stalins, seinem Geburtshaus, das unter einem eigenen steinernen Pavillon steht, und seinem persönlichen, gepanzerten Eisenbahnwagen. Geöffnet ist täglich 10–18 Uhr, vom 1. November bis 1. April 10–17 Uhr. Der Rundgang durch den kompletten Komplex mit Führung — Säle, Geburtshaus, Wagen — kostet laut Preisliste 15 GEL (Stand September 2026).


Uplisziche: Höhlenstadt aus der Eisenzeit über der Kura
Etwa zehn Kilometer von Gori entfernt liegt Uplisziche, eine der ältesten Siedlungen Georgiens. Die Stadt wurde in der frühen Eisenzeit in den Fels gehauen: Strassen, Plätze, Kulträume, Wohnräume, Weinpressen, Wasserleitungen und ein Tunnel hinunter zur Kura sind noch zu erkennen. Auf dem Plateau darüber steht eine christliche Basilika aus dem 10. Jahrhundert. Man läuft über blanken, abgeschliffenen Fels von Raum zu Raum, und vom oberen Rand blickt man über den Fluss auf die kahlen Hügel dahinter. Aktuelle Eintrittspreise und Öffnungszeiten konnten wir nicht verlässlich bestätigen — vor dem Besuch prüfen.


Grenze bei Sadachlo und das Kloster Haghpat über dem Debed-Canyon
Der Übergang nach Armenien liegt bei Sadachlo. Dahinter beginnt Lori, die waldreichste Provinz des Landes: bewaldete Hänge, helle Felsklippen, verstreute Dörfer, im Hintergrund eine verschneite Bergkette. Über die «Strasse der Klöster» erreicht man Haghpat, ein Klosterkomplex aus dem 10. bis 13. Jahrhundert auf einem Plateau in 1212 Metern Höhe, direkt über dem Canyon des Debed. Gegründet wurde es 976 von Königin Chosrowanusch; seit 1996 steht es zusammen mit dem Nachbarkloster Sanahin auf der UNESCO-Welterbeliste.

Die Anlage umfasst mehrere Kirchen, einen Gawit (die armenische Vorhalle), Refektorium, Skriptorium, Glockenturm, Kapellen und zahlreiche Chatschkare, die typischen armenischen Kreuzsteine. Am eindrücklichsten ist der Gawit: ein steinerner Raum, dessen Bögen und ornamentierte Rippen sich um ein achteckiges Oberlicht fächern — das einzige Licht im Raum.

Sewansee: Sewanawank auf der ehemaligen Insel
Der Sewansee liegt auf rund 1900 Metern und ist der grösste See des Kaukasus und das grösste Süsswasserreservoir Armeniens — historisch eines der «drei Meere» Armeniens neben dem Van- und dem Urmiasee. Im April war das Wasser tiefblau, die Berge am gegenüberliegenden Ufer noch weiss.

Auf einer Halbinsel, die einmal eine Insel war, steht Sewanawank, ein Kloster aus dem 9. Jahrhundert mit Kirchen aus dunklem Stein. Über eine Treppe kommt man hinauf; von oben liegt einem der ganze See zu Füssen. Das armenische Tourismusportal empfiehlt den Aufstieg genau wegen dieser Aussicht.

Jerewan: Kaskade, Matenadaran, Republikplatz und Zizernakaberd
In Jerewan steht an klaren Tagen der Ararat wie eine Kulisse hinter den Dächern — man sieht ihn von der Kaskade, und man sieht ihn von vielen Strassen der Innenstadt. Die wichtigsten Orte liegen im Zentrum nah beieinander: der Republikplatz mit den Regierungsgebäuden, dem Historischen Museum und der Nationalgalerie; die Northern Avenue, ein moderner Boulevard mit Boutiquen und Restaurants, der zum Opernhaus am Freiheitsplatz und zum kleinen Schwanensee führt; und die Kaskade, eine monumentale Treppenanlage mit Terrassen, Brunnen und Skulpturen — darunter Arbeiten von Fernando Botero. Im Innern der Kaskade führen Rolltreppen durch das Cafesjian Center for the Arts nach oben; wer mag, geht die Stufen zu Fuss oder fährt mit dem Auto hinauf. Im Winter sind die Brunnen abgestellt. Von Mai bis November laufen abends auf dem Republikplatz die «tanzenden Fontänen» mit Musik und Licht, der Eintritt ist frei.


Das Matenadaran bewahrt eine der grössten Handschriftensammlungen der Welt. Ausgestellt sind aufgeschlagene Codices mit farbigen Miniaturen in abgedunkelten Vitrinen. Geöffnet Dienstag bis Samstag 10–17.50 Uhr, Sonntag und Montag geschlossen; Erwachsene zahlen 2000 AMD, 6- bis 18-Jährige 1000 AMD, eine fremdsprachige Führung für bis zu zehn Personen 5000 AMD (Stand September 2026).

Auf dem Hügel Zizernakaberd («Schwalbenfestung») im Westen der Stadt liegt die Gedenkstätte für die Opfer des Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich ab 1915. Drei Elemente bilden die Anlage: das Heiligtum der Ewigkeit, zwölf schräg gestellte Basaltplatten im Kreis, die für zwölf verlorene Provinzen Westarmeniens stehen, mit der ewigen Flamme in der Mitte — man steigt zu ihr hinab und senkt dabei zwangsläufig den Kopf; die 44 Meter hohe Stele mit einem Riss über die ganze Länge, die für Spaltung und Wiedergeburt des Volkes steht; und die 100 Meter lange Gedenkmauer mit den Namen der zerstörten Städte und Dörfer. Daneben pflanzen ausländische Delegationen in der Allee der Erinnerung Tannen. 1995 kam das Museum-Institut hinzu. Jedes Jahr am 24. April, dem Gedenktag, ziehen Hunderttausende hinauf und legen Blumen um die Flamme — wir waren zwei Tage danach dort, und der Kreis war noch immer ein Meer aus Blüten. Das Museum ist Dienstag bis Samstag 10–17 Uhr geöffnet (15. Februar bis 15. November, letzter Einlass 16.30 Uhr), Sonntag 11–15 Uhr, Montag geschlossen; der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Chor Wirap: der Postkartenblick auf den Ararat
Nur etwa vier Kilometer von der türkischen Grenze entfernt steht Chor Wirap auf einem Felsrücken in der Ararat-Ebene. Der Name bedeutet «tiefer Kerker»: Hier soll Gregor der Erleuchter gefangen gehalten worden sein, bevor er Armenien zum Christentum führte — das Kloster gilt deshalb als Ursprungsort des armenischen Christentums. Für die meisten Besucher zählt aber der Blick: Vor dem Kloster liegen Weinberge, dahinter erhebt sich der Ararat mit seinen zwei Gipfeln, dem Grossen und dem Kleinen Ararat. Wir hatten Glück und einen klaren Morgen.

Etschmiadsin: die Mutterkathedrale und die Schatzkammer
Etschmiadsin, offiziell Wagharschapat, liegt 18 Kilometer westlich von Jerewan und ist die viertgrösste Stadt Armeniens — vor allem aber der Sitz des Katholikos aller Armenier, des Oberhaupts der Armenisch-Apostolischen Kirche. Man nennt den Ort deshalb den «armenischen Vatikan». Durch ein monumentales Tor mit Reliefs und Inschriften betritt man den Kirchenbezirk; im Zentrum steht die Mutterkathedrale mit ihren Türmen und der reich ornamentierten Fassade.

Die Schatzkammer der Kathedrale (Alex-und-Marie-Manoogian-Museum) ist Dienstag bis Sonntag 10.30–17.30 Uhr geöffnet; ausländische Gäste zahlen 2000 AMD, Führungen lassen sich telefonisch reservieren (Stand September 2026).
Garni: der einzige heidnische Tempel Armeniens über der Azat-Schlucht
Etwa 30 Kilometer östlich von Jerewan steht der Tempel von Garni — der einzige vollständig erhaltene Bau aus klassischer, vorchristlicher Zeit in Armenien. Ein hellenistischer Säulentempel über der Schlucht des Azat, umgeben von den Mauerresten der antiken Anlage, darunter eine römische Badeanlage mit Mosaik. Bei uns hing der Himmel tief, was den Säulen gut stand. Das Museumsreservat ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 21.30 Uhr geöffnet; der Eintritt kostet 1500 AMD, ermässigt 750 AMD, Kinder bis 12 Jahre gratis, eine fremdsprachige Führung 5000 AMD (Stand September 2026).


Geghard: das in den Fels gehauene Kloster der heiligen Lanze
Rund 40 Kilometer östlich von Jerewan liegt Geghard weiter oben in der Azat-Schlucht, eingeklemmt zwischen steilen Felswänden. Das Kloster ist zum Teil direkt aus dem Fels gehauen: Kapellen und Räume liegen im Berg, an den Wänden sind Chatschkare und Reliefs in den Stein geschnitten. Der Name Geghardavank bedeutet «Kloster der Lanze» — hier wurde nach der Überlieferung jahrhundertelang die Lanze aufbewahrt, die der Apostel Thaddäus nach Armenien gebracht haben soll, eine der wichtigsten Reliquien der Christenheit. Seit 2000 stehen Geghard und das obere Azat-Tal auf der UNESCO-Welterbeliste.


Essen: Chatschapuri und Chinkali in Georgien, Lavash und Chorovats in Armenien
Die beiden Küchen sind verwandt, aber nicht dieselbe. Beide arbeiten mit frischen Kräutern, Auberginen, Walnüssen, Brot, Grillfleisch, Käse und Wein. Georgien schmeckt nach Koriander, Knoblauch und der Gewürzmischung Chmeli-Suneli; Armenien nach dem Tonir, dem in den Boden eingelassenen Backofen, und nach dem Brot, das darin entsteht. Wer welche Speise zuerst hatte, ist eine Diskussion, die wir hier nicht führen.
Georgien
- Chatschapuri: Hefeteigfladen mit Sulguni-Käse, in vielen regionalen Varianten. Am bekanntesten ist das adscharische, bootförmig, mit flüssigem Eigelb und Butter in der Mitte; dazu das imeretische (rund, Käse innen) und das megrelische (mit zusätzlichem Käse obenauf).
- Chinkali: grosse Teigtaschen, gefüllt mit Lamm, Rind oder Schwein und heisser Brühe. Man isst sie mit den Händen: am Zipfel packen, anbeissen, die Brühe austrinken, den Rest essen — der Zipfel bleibt auf dem Teller. Inzwischen gibt es sie auch vegetarisch mit Kartoffeln und Pilzen.
- Mzwadi: Spiesse vom Schwein, Rind oder Lamm über Rebholzglut, nur mit Salz und Zwiebeln gewürzt.
- Badridschani: gebratene Auberginenröllchen mit einer Paste aus Walnüssen, Knoblauch und Koriander, mit Granatapfelkernen bestreut.
- Pchali: kleine Bällchen aus Spinat, Randen oder Kohl, mit Walnusspaste und Gewürzen gebunden.
- Lobio: dicker Eintopf aus roten Bohnen im Tontopf, mit Koriander, Knoblauch und Weinessig.
- Tschurtschchela: die bekannteste Süssigkeit — Walnüsse oder Haselnüsse auf einer Schnur, in eingedickten Traubensaft mit Mehl getaucht, heute auch mit Granatapfel- oder Orangensaft. An den Ständen in Signagi hingen sie in Reihen.
- Tklapi: dünne Fladen aus getrocknetem Fruchtpüree, etwa aus Tkemali-Pflaumen oder Trauben.
- Neben Traubenwein lohnt ein Glas Granatapfelwein.


Armenien
Das armenische Tourismusportal nennt als typische Gerichte:
- Lavash: hauchdünnes Fladenbrot aus dem Tonir. Bei Garni haben wir an einer Backstelle zugesehen: Der Ofen sitzt im Boden, darüber ein Blechtrichter als Abzug, daneben lagen die fertigen Fladen gestapelt.
- Chorovats: Fleisch und Gemüse vom Grill, meist mit Lavash serviert.
- Tolma (Dolma): gefüllte Weinblätter.
- Harissa: ein Gericht aus Weizen und Fleisch, oft Huhn.
- Gata: süsses Gebäck.
- Pachlava sowie zahlreiche Gemüse- und Kräutergerichte.

Praktisches: Grenzen, Kleidung, Kleiderordnung und Zahlen mit Datum
Drei Währungen. Manat (AZN) in Aserbaidschan, Lari (GEL) in Georgien, Dram (AMD) in Armenien.
Kleidung. Baku ist windig, die Pässe der Georgischen Heerstrasse und Gergeti liegen über 2000 Metern — auch im April mit Schnee. Winddichte Jacke und warme Schicht gehören ins Gepäck, unabhängig von der Jahreszeit im Tiefland.
Kirchen und Klöster. In Swetizchoweli und Dschwari gilt eine strenge Kleiderordnung — bedeckte Schultern und Knie, für Frauen Rock und Kopftuch; Tücher liegen zum Ausleihen bereit. Swetizchoweli, Dschwari und Ananuri kosten keinen Eintritt; bezahlt wird für Museen, Schatzkammern und das Reservat Garni.
Fotografieren. Im Khanpalast von Şəki ist Fotografieren verboten.
Eintritte und Öffnungszeiten in diesem Artikel stammen von den offiziellen Seiten der Museen und Ticketsysteme, geprüft im September 2026. Für das Heydar-Aliyev-Zentrum, die Karawanserei in Şəki und Uplisziche haben wir keine belastbaren Angaben gefunden — dort vor dem Besuch nachsehen.
Georgische Heerstrasse. Nicht selbst fahren, wenn man die Strecke nicht kennt. Enge Tunnel, Lastwagenverkehr Richtung Russland, Staugefahr.
Bilder





















