Graubünden ist der grösste Kanton der Schweiz und wirkt beim Wandern wie mehrere Länder in einem: hochalpine Gletscherbühne am Berninapass, mediterran anmutende Föhrenwälder über der Rheinschlucht, romanischsprachige Dörfer im Engadin. Wir haben hier 18 Touren dokumentiert — von der Seenrunde auf 2300 Metern bis zur Winterwanderung zur Alpkäserei — und sind noch lange nicht fertig mit diesem Kanton.
Anreise
Chur ist das Tor: ab Zürich in gut einer Stunde per Bahn erreichbar. Ab hier übernimmt die Rhätische Bahn, deren Streckennetz die Wanderregionen direkt erschliesst — nach Flims/Laax fahren Postautos, ins Engadin und ans Bernina die Züge. Die Fahrt über die Albula- und Berninastrecke gehört seit 2008 selbst zum UNESCO-Welterbe und ist die schönste Anreise, die wir in der Schweiz kennen: Der Zug hält am Ospizio Bernina direkt am Ausgangspunkt mehrerer Touren.
Übernachten: gut gelegene Unterkünfte
Selbst übernachtet haben wir in diesen Häusern nicht — die Auswahl folgt der Lage. In Chur liegt das Hotel Stern am Rand der Altstadt: ein historisches Haus, dessen Kern auf 1677 datiert ist, mit der traditionsreichen Veltliner Weinstube — idealer Ausgangspunkt für Rheinschlucht und Mittelbünden. Für das Bernina-Gebiet ist Pontresina der ruhigere Stützpunkt als St. Moritz; das Hotel Saratz steht dort mitten im Dorf, die Berninabahn hält im Ort. Für das Unterengadin ist Scuol die praktische Basis mit Bahnanschluss.
Erleben
Berninapass und Oberengadin. Rund um das Ospizio Bernina auf 2300 Metern liegt eine Hochgebirgslandschaft, die sonst lange Zustiege verlangt — hier steigst du direkt aus dem Zug: türkise Gletscherseen wie der Lagh da Caralin, Wasserfälle, Schafherden, dahinter die vergletscherte Berninagruppe. Eine Talstufe weiter wartet das mondäne St. Moritz mit Bergbahnen bis über 3000 Meter.

Rheinschlucht und Flims. Die Ruinaulta — der «Grand Canyon der Schweiz» — schneidet sich zwischen Reichenau und Ilanz tief in weisse Felswände; Aussichtsplattformen und die Hängebrücke bei Reichenau machen die Dimension erlebbar. Oben bei Flims liegt der türkisgrüne Caumasee im Wald, im Sommer Badesee, im Winter Ziel einer stillen Winterwanderung.
Chur und Mittelbünden. Die älteste Stadt der Schweiz ist mehr als Umsteigeort: Der Burgenweg nach Untervaz und der Dreibündenstein-Panoramaweg starten praktisch vor der Haustür. Südlich davon überspannt der Traversiner Steg bei Thusis eine Seitenschlucht der Viamala — kombinierbar mit der Burganlage Hohen Rätien hoch über dem Rhein.
Engadiner Dörfer und Prättigau. Im Unterengadin reihen sich Guarda, Ardez und Ftan am Sonnenhang — Dörfer mit den typischen bemalten Engadinerhäusern, verbunden durch einen Höhenweg ohne grosse Anstiege. Im Prättigau um Klosters und St. Antönien dominieren Alpwiesen und Höhenwege; im Winter werden hier und in Seitentälern wie dem Val Lumnezia die Wege präpariert — Graubünden funktioniert ganzjährig.
Wanderempfehlungen
Alle Routen im Detail auf ch-wandern.ch — drei Touren, die die Bandbreite des Kantons zeigen:
- Ospizio Bernina – Lagh da Caralin — Seenrunde am Palügletscher, direkt ab der Bahnstation. Lohnt sich für dich, wenn du Hochgebirge ohne langen Zustieg willst.
- Reichenau – Rheinschlucht Ruinaulta — Rundweg zur Hängebrücke mit Blick in die Schlucht; auch als Halbtagestour ab Chur machbar.
- Lavin – Guarda – Ardez – Ftan — der Dörferweg im Unterengadin: Kultur statt Kraxelei, ideal für die Nebensaison.
Praktisches
Beste Reisezeit: Juni bis Oktober für die Höhenwege — am Bernina liegt der Schnee lang, dort eher Juli bis September. Winterwanderwege in Flims, Parpan und den Seitentälern machen Graubünden zum Ganzjahresziel. Budget: Die RhB-Strecken sind Teil des GA/Halbtax-Systems; Bergbahnen einzeln kalkulieren. Stützpunkte: Chur für Rheinschlucht und Mittelbünden, Pontresina oder St. Moritz für das Bernina-Gebiet, Scuol für das Unterengadin. Fahrpläne: SBB.
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